Ätolien


Ätolien
Äto|li|en; -s:
altgriechische Landschaft:
Gebiet im westlichen Griechenland.

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Ätoli|en,
 
Landschaft in Westgriechenland, Teil des Bezirkes (Nomos) Ätolien u. Akarnien (5 461 km2, 228 200 Einwohner), ein talreiches, im Westen durch die Senke von Agrinion unterbrochenes Bergland, das die Ketten des Pindos bis zum Golf von Korinth fortsetzt; vom Acheloos durchflossen; südöstlich von Agrinion die Trichonis, mit 96,5 km2 der größte See Griechenlands. Anbau von Weizen, Baumwolle, Zitrusfrüchten, Wein, Tabak; im Gebirge Viehhaltung. Bedeutende Ausgrabungsstätten sind Thermos und Kalydon.
 
 
Ätolien gewann erst im 4. Jahrhundert v. Chr. historische Bedeutung, als sich seine Bewohner, der nordwestgriechische Stamm der Ätoler, politisch zusammenschlossen: Der vor 367 v. Chr. gegründete Ätolische Bund (zentraler Ort: Thermos) errang 291 v. Chr. die Herrschaft über Delphi und rettete 279 v. Chr. das Heiligtum vor den Kelten. In der Folgezeit dehnten die Ätoler ihre Herrschaft über große Teile Mittel- und Nordgriechenlands aus. Als Seeräuber gefürchtet, gewannen sie auch in der Ägäis großen Einfluss. Im Bundesgenossenkrieg kämpften sie gegen Makedonien und den Achaiischen Bund (Achaia). 212 v. Chr. verbündeten sie sich mit Rom (Vertrag inschriftlich erhalten) und kämpften 212-205 sowie 200-197 gegen Philipp V. von Makedonien. Als sie sich von den Römern benachteiligt glaubten, brachen sie mit ihnen und riefen 192 v. Chr. den Seleukidenherrscher Antiochos III. nach Griechenland. Ihre Niederlage im Kampf gegen Rom (189 v. Chr.) machte der politischen Bedeutung Ätoliens für immer ein Ende. Unter Augustus wurde es der Provinz Achaia eingegliedert; später gehörte es zu Byzanz, seit dem 15. Jahrhundert zum Osmanischen Reich. Im griechischen Unabhängigkeitskampf (1821-29) wurde es heftig umkämpft, v. a. die Stadt Mesolongion.
 
 
A. Philippson: Die griech. Landschaften, Bd. 2, Tl. 2 (1958);
 E. Kirsten u. W. Kraiker: Griechenlandkunde, 2 Tle. (51967);
 
Die Staatsverträge des Altertums, Bd. 3: Die Verträge der griechisch-röm. Welt. .., bearb. v. Hatto H. Schmitt (1969), Nr. 536.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Hellenismus: Griechische Zivilisation weltweit
 

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Äto|li|en; -s: altgriechische Landschaft; Gebiet im westlichen Griechenland.

Universal-Lexikon. 2012.

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